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Die 10 spektakulärsten Volksfeste in Deutschland

Alles Andere als die Wiesn: Deutschlands Festszene besteht nicht nur aus dem Oktoberfest. Hier sind die spektakulärsten Alternativen, denen selbst das grösste Volksfest der Welt nicht gewachsen ist.

Mit den ersten Strahlen der warmen Frühlingssonne beginnt in Deutschland traditionell die Volkfestzeit. Klassenprimus ist anerkannter Massen das weltweit beliebte Münchner Oktoberfest mit rund sechs Millionen Besuchern pro Jahr.

Wer Andrang und weite Anfahrt meiden möchte oder schlichtweg nach Alternativen sucht, wird bundesweit fündig. Der Clou. Sie bringen nicht nur Abwechslung in den persönlichen Volksfestplaner, sondern bestechen allesamt durch ihren besonderen regionalen Charme und zahlreichen Attraktionen, die einen Besuch lohnenswert machen.

Dafür legen sich die Organisatoren jedes Mal aufs Neue mächtig ins Zeug. Die Landshuter Hochzeit erfordert sogar eine mehrjährige Vorbereitungsphase, um eine gleichbleibend hohe Qualität garantieren zu können. Daher findet sie als einziges Volksfest der Liste nur im Vier-Jahres-Turnus statt.

Platz 1: Cannstatter Volksfest
  
Das grösste Schausteller-Fest Europas

Etwa zweieinhalb Autostunden von München entfernt hat sich das zweitgrösste Volksfest Deutschlands etabliert. Das Cannstatter Volksfest, auch unter den Namen Cannstatter Wasen oder Wasen bekannt, wird seit 1818 Ende September in der heutigen baden-württembergischen Hauptstadt Stuttgart gefeiert.

Bereits bei der Premiere strömten etwa 30.000 Besucher auf den Festplatz. Heute sind es im Schnitt pro Jahr 4,5 Millionen, also etwa 237.500 täglich. Damit erreicht der Wasen zwar nicht die Gästezahlen des Oktoberfest, doch reklamieren die Schwaben einen anderen Rekord für sich. Demnach handelt es sich bei der Stuttgarter Veranstaltung um das "grösste Schaustellerfest Europas".

Die Entstehungsgeschichte des Cannstatter Volksfests geht übrigens indirekt auf eine Naturkatastrophe zurück. Es wurde zur Feier der Schaffung einer landwirtschaftlichen Unterrichtsanstalt, heute Uni Hohenheim, ins Leben gerufen. Diese wiederum wurde in Folge schwerwiegender Missernten gebaut, die die Explosion des indonesischen Vulkans Tambora 1815 und die damit einhergehenden Klimaveränderungen verursacht hatten.

Platz 2: Größte Kirmes am Rhein
  
Die meisten Gäste pro Tag

Glaubt man den Organisatoren der grössten Krimes am Rhein, hält diese nicht nur was ihr Name verspricht, sie macht auch dem Oktoberfest gehörig Konkurrenz. Gemessen an den Besucherzahlen pro Tag sticht das auch Rheinkirmes genannte Spektakel in Düsseldorf die bekanntere Wiesn sogar aus.

In der dritten Juliwoche pilgern im Schnitt täglich 470.000 Gäste zur linksrheinischen Festwiese in Düsseldorf-Oberkassel. Für den absoluten Besucherrekord müsste sich diese Zahl allerdings noch beträchtlich erhöhen, um der Wiesn gefährlich zu werden. Schliesslich dauert das Fest nur zehn Tage, während die Münchner 16 bis 18 Tage lang feiern.

Die grösste Kirmes am Rhein hält einen weiteren Rekord. Sie ist Gegenstand des wohl kuriosesten Namensstreits der deutschen Volksfestszene. So versucht die katholische Kirche seit Jahren, die Veranstaltung in Apollinaris-Kirmes umzubenennen. Damit soll übrigens kein namhaftes Getränke- unternehmen, sondern der Düsseldorfer Stadtpatron St. Apollinaris gewürdigt werden.

Platz 3: Landshuter Hochzeit
  
Vier Jahr lang ohne Frisör

Obwohl sie nur alle vier Jahre stattfindet, der nächste Termin ist Sommer 2013, prägt die Landshuter Hochzeit das Erscheinungsbild ihrer Heimat wie kein anderes deutsches Volksfest. Grund: Sämtliche Darsteller, egal ob männlich oder weiblich verzichten darauf, sich vor Festbeginn die Haare zu schneiden. Damit soll die Authentizität des mittelalterlichen Spektakels unterstrichen werden.

Da immerhin 2.300 Landshuter betroffen sind, gleicht die niederbayerische Hauptstadt in den Wochen vor dem Spektakel einem gigantischen Treffpunkt für Heavy Metal Fans. Mit Festbeginn wandelt sich das Erscheinungsbild. Drei Wochen lang ziehen Fahnenschwenker, Bogenschützen und prächtig ausstaffierte Brautleute beim größten Mittelalterfest Europas durch die Gassen.

Die Landshuter Hochzeit wird seit 1903 zur Erinnerung an eines der spektakulärsten Feste des Mittelalters veranstaltet. Am 14. November 1475 heiratete der aus der Linie Landshut-Bayern stammende Wittelsbacher Herzog Georg der Reiche die polnische Prinzessin Hedwig. Die Feier dauerte ganze acht Tage.

Platz 4: Hamburger Dom
  
Ein Name, drei Volksfeste

16 bis 18 Tage Oktoberfest? Darüber können eingefleischte Hamburger Volksfestfans gerade einmal müde lächeln. Satte 91 Tage herrscht reges Jahrmarktreiben in der Hansestadt. Kein Wunder, dass der Hamburger Dom insgesamt über zehn Millionen Besucher pro Jahr anlockt. Da kann selbst die Wiesn nicht mehr mithalten.

Allerdings verteilt sich der Hamburger Dom auf insgesamt drei 30- bis 31-tägige Jahrmärkte, die unter gleicher Flagge firmieren. Wer dennoch unterscheiden möchte spricht je nach Termin vom Frühlings-, Sommer-, oder Herbstdom.

Die Wurzeln des Hamburger Doms reichen bis ins 14. Jahrhundert zurück. Allerdings wurde das Volksfest damals beim Hamburger Mariendom gefeiert. Seit 1880 findet das Spektakel auf dem Heiliggeistfeld im Stadtteil St. Pauli statt.

Platz 5: Bremer Freimarkt
  
Zwillingsfest mit Pendelverkehr

Hamburger wie Bremer nehmen für sich in Anspruch, das größte Volksfest Nordeutschlands zu feiern. Nach Besucherzahlen pro Tag gemessen steht der Weserstadt der Titel zu. Schließlich pilgern pro Jahr rund vier Millionen Besucher in der zweiten Oktoberhälfte zum heute 17-tägigen Bremer Freimarkt.

Der Bremer Freimarkt feierte bereits im Jahr 1035 Premiere. Der Standort wechselte seitdem häufig. So wurde das Spektakel ursprünglich auf dem Liebfrauenkirchhof abgehalten. Später feierten die Bremer auf dem Marktplatz. Zeitweise fand er auf der linken, der rechten oder beiden Weserseiten statt, ehe er schließlich 1934 seine heutige Heimat auf der rechtsseitigen Bürgerweide bezog.

Parallel zum Hauptfest wird in der Bremer Altstadt der so genannte Kleine Freimarkt gefeiert. Er zeichnet sich durch ein deutlich nostalgischeres Erscheinungsbild inklusive Mittelaltermarkt aus. An den drei Festwochenenden bietet die Museumsstraßenbahn-Freimarktlinie eine charmante Option, zwischen den Zwillingsjahrmärkten zu pendeln.

Platz 6: Cranger Kirmes
  
Das kuscheligste deutsche Volksfest

Der Titel "grösstes Volksfest" Deutschlands hängt vom jeweiligen Stadtpunkt ab. Bestimmte Rechenbeispiele lassen es zu, die Cranger Kirmes in Herne zum Rekordhalter zu erklären. Nimmt man die Polizeiangaben zu den Besucherzahlen als Grundlage, tummeln sich durchschnittlich 5,4 Gäste pro Quadratmeter auf dem 8,3 Hektar umfassenden Festgelände. Zum Vergleich: das Oktoberfest schafft gerade mal 1,3.

Dieser zweifelhafte Erfolg wird von wohlgesonnenen Zeitgenossen als besonders kuschelig angesehen. Böse Zungen sehen das anders. Sie titulieren die Cranger Kirmes als das überlaufenstes Volksfest Deutschlands.

Die Ursprünge der Cranger Kirmes, die jeweils Anfang August stattfindet, liegen im Dunkeln. Vermutlich entwickelte sie sich aus einem Pferdemarkt, der für das Jahr 1441 erstmals urkundlich belegt ist und zu dem sich im Laufe der Zeit sukzessive Gaukler, Wahrsager und andere Kirmesleute gesellten. 2011 wird die 576. Auflage gefeiert. Bleibt noch die Frage zu klären, wie ein angeblich 1441 begründetes jährlich stattfindendes Fest auf diese stattliche Anzahl kommt.

Platz 7: Further Drachenstich
  
Ältestes Volksschauspiel Deutschlands

Mit dem Further Drachenstich wird nahe der deutsch-tschechischen Grenze das heute älteste Volksschauspiel Deutschlands gefeiert. Erste Spuren lassen sich für das Jahr 1590 nachweisen. Vermutlich liegen die Wurzeln des Fest noch weiter in der Vergangenheit. Allerdings existiert kein Beleg.

Die Drachenstich-Festspiele, die stets vom 2. bis zum 3. Augustsonntag im oberpfälzischen Furth im Wald stattfinden, erzählen die Geschichte vom Kampf Gut gegen Böse. Als historischer Hintergrund dienen die Hussitenkriege. Kurz vor der entscheidenden Schlacht taucht ein furchterregendes Ungeheuer, der Drache, auf. Nur zwei Menschen können das geschuppte Tier besiegen. Die Schlossherrin von Furth und der unerschrockene Ritter Udo. Doch der ist einem Netz von Intrigen gefangen.

Seit 2010 kommt bei den Aufführungen ein neuer Drache zum Einsatz. Das 2,3 Millionen Euro teure High-Tech-Ungeheuer ist 16 Meter lang, fünf Meter hoch und 10 Tonnen schwer. Er kann nicht nur automatisch seinen Kopf, drehen und bewegen sondern aus einem riesigen Schlund auch fünf Meter weit Feuer spucken und markerschütternd brüllen.

Platz 8: Deutsch-Französisches Volksfest
  
Eiffelturm in Berlin Mitte

Das Deutsch-Französische Volksfest wird seit 1963 jährlich rund um den 14. Juli, den Nationalfeiertag Frankreichs, gefeiert und gilt als größtes Volksfest der heutigen Bundeshauptstadt. 2000 wurde das Spektakel auf den Zentralen Festplatz Berlin im Ortsteil Wedding verlegt. Zuvor fand es in Reinickendorf statt.

Neben den üblichen Buden und Fahrgeschäften bietet es seinen Gästen ein französisches Dorf. Kulissen bilden Dörfer und Regionen des westlichen Nachbarstaates nach. Natürlich darf auch ein illuminierter Eiffelturm nicht fehlen. Kulinarisch wartet es mit typisch französischen Spezialitäten auf.

Im Gegensatz zu den meisten anderen Volksfesten wird für den Besuch des Deutsch-Französischen Volksfestes ein Eintrittsgeld in Höhe von aktuell zwei Euro erhoben. Allerdings kann der Betrag als Gutschein auf dem gesamten Gelände eingelöst werden. Kinder unter 14 Jahren müssen keinen Eintritt bezahlen.

Platz 9: Ipfmesse
  
Eigens kreierter Lederhosen-Look

Für das 200-jährige Jubiläum ihrer Ipfmesse haben die Bopfinger im baden-württembergischen Ostalbkreis alte schwäbische Traditionen wiederbelebt. Da immer mehr bayerische Lederhosen auf dem traditionsreichen Volksfest zu sehen waren, wurde eine eigene schwäbische Variante nach historischem Vorbild kreiert. Natürlich in limitierter Auflage und mit eingenähtem Stadtwappen.

Im Unterschied zur bayerischen Lederhose weist die traditionelle schwäbische Variante weder Hosenträger noch opulente Bestickungen auf. Sie reicht selbstverständlich über die Knie und präsentiert sich schlicht, schwarz, schwäbisch und schick.

Nicht nur in Punkto Tracht steht die Bopfinger Ipfmesse Pate für sympathisch gelebte Heimatliebe. Anfang Juli reisen aus Chicago und Sao Paolo ausgewanderte Bopfinger in ihre Heimat, um bei der Ipfmesse mit alten Freunden zu feiern und gemeinsam Erinnerungen an die Jugend aufleben zu lassen.

Platz 10: Libori
  
Das älteste Volksfest Deutschlands

Seit 836 feiern die Paderborner Ende Juli Libori und damit das älteste Volksfest Deutschlands. Rund 1,5 Millionen Gäste besuchen inzwischen pro Jahr das Spektakel, das nach Sankt Liborius benannt wurde. Damals wie heute sind kirchliche Zeremonien rund um die Reliqiuen des Heilgen fester Bestandteil des Fests. Sie werden unter anderem bei einem Festzug in einem goldenen Schrein durch die Stadt getragen.

Libori entstand im Zuge der so genannten Reliquientranslationen. Karl der Große hatte nach der Unterwerfung der Sachsen befohlen, die Überreste von Märtyrern ins ehemalige Feindesland zu überführen. Durch die magische Wirkung der Reliquien hoffte der Kaiser, die kaum christianisierten Sachsen stärker an Kirche und Glauben zu binden.

Ende Oktober wird bei der Kleinlibori in abgespecktem Rahmen gefeiert. Wieder spielen besagte Reliquien eine tragende Rolle. Das Fest wurde zu Ehren ihrer Rückkehr nach Paderborn ins Leben gerufen. Zuvor waren sie in den Wirren des Dreißigjährigen Krieges von Christian von Braunschweig geraubt worden.



Experte/Autor: Dagmar Sponsel
Erstellt: 11.05.2011, 16:49 Uhr
Modifiziert: 18.05.2011, 16:59 Uhr
Kategorie: Lebensart / Leben

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